Wenn du dich nach dem Tod deines Tieres unvollständig fühlst und was dir jetzt helfen kann

Nachdenklich saß ich ein paar Wochen nach Muckis Tod auf meinem Sofa. Seit einiger Zeit war da ein Gefühl, das nur schwer zu greifen war. Es war nicht nur Traurigkeit, war anders als das Vermissen. Im Grunde war es weniger ein Gefühl als vielmehr eine Art „inneres Wissen“, dass etwas grundlegend nicht mehr stimmte, seit […]
Auf dem Bild sieht man einen traurigen Hund als Symbol dafür, Wenn du dich nach dem Tod deines Tieres unvollständig fühlst und was dir jetzt helfen kann

Nachdenklich saß ich ein paar Wochen nach Muckis Tod auf meinem Sofa. Seit einiger Zeit war da ein Gefühl, das nur schwer zu greifen war. Es war nicht nur Traurigkeit, war anders als das Vermissen. Im Grunde war es weniger ein Gefühl als vielmehr eine Art „inneres Wissen“, dass etwas grundlegend nicht mehr stimmte, seit Mucki nicht mehr da war. Es war als hätte jemand ein Stück aus meinem Innersten entfernt. Ich fühlte mich unvollständig, als würde eine Hälfte meines Körpers fehlen. Und zwar jene in der mein Herz wohnt.

Vielleicht kennst du dieses diffuse Gefühl auch. Das geht vielen Menschen so, denn dein geliebtes Tier war nicht nur ein Teil deines Alltags. Es war Teil deines inneren Systems, Teil deiner Routinen, deiner Sprache, deiner Gefühle, deiner Art, die Welt zu sehen und in ihr zu leben. Du hast dich an deinem Liebling orientiert, dich an ihm gehalten, mit ihm deine Gefühlswelt reguliert. Nähe, Berührung, zusammen sein – all das ist nicht nur im Außen passiert, sondern auch tief in dir.

Wenn ein Wesen stirbt, mit dem man so tief verbunden ist, geht nicht nur eine reale irdische Beziehung zu Ende. Es fehlt plötzlich etwas im eigenen Selbstgefühl, und genau deshalb fühlen sich viele Menschen die um ihr Tier trauern oft unvollständig. 

 

Warum du dich nach dem Tod deines geliebten Tieres unvollständig fühlst

Bevor ich dir ein paar Wege aufzeigen möchte, wie du dich nach und nach wieder vollständiger fühlen kannst, möchte ich mit dir einen kurzen Blick auf die Gründe dieses Gefühls der Unvollständigkeit werfen. Zu wissen, warum etwas so ist, es zu verstehen, ist der erste Schritt, um damit umgehen zu lernen.

 

Tiefe Bindung als Teil des Selbst

Aus der Trauerforschung wissen wir, dass enge Bindungen unser Selbstbild prägen. Besonders Beziehungen, die über viele Jahre stabil, verlässlich und emotional tief waren. Bei Tieren kommt noch etwas hinzu: Sie lieben uns ungefiltert und bedingungslos. Diese Form von Beziehung wirkt tief in unser Nervensystem hinein. Das „Meaning-Making-Model“ von Neimeyer spricht vom „Bruch im Erzählselbst“ in der Trauer, das im Alltag ohne das geliebte Tier begründet liegt. 

 

Wenn plötzlich die Sicherheit fehlt

Neurowissenschaftlich betrachtet war dein Tier Teil deiner inneren Sicherheitsstruktur. Bestimmte neuronale Netzwerke wurden durch seine Anwesenheit immer wieder aktiviert: Ruhe, Verbundenheit, Sinn. Das hatte unglaublich viele positive Effekte auf deine Dopamin- und Oxytocin- Freisetzung. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der Belohnung, Motivation und Freude vermittelt. Zum Beispiel, wenn du mit deinem Liebling gespielt hast. Oxytocin ist ein Hormon, das Bindung, Vertrauen und emotionale Nähe fördert, vor allem beim Streicheln oder bei liebevollem Blickkontakt. Fällt mit dem Tod deines Tieres diese konstante Quelle weg, entsteht eine „Lücke“ im Belohnungssystem. Das Gehirn sucht nach dem, was immer da war, und findet es nicht mehr. Das fühlt sich nicht nur traurig an, sondern falsch, unstimmig und eben: unvollständig.

 

Spätestens jetzt müsste übriges auch dem größtem Zweifler klar sein, dass die Trauer um ein geliebtes Tier ebenso schwer wiegt wie die Trauer um einen geliebten Menschen, liegen ihnen doch dieselben körperlichen Vorgänge zugrunde.

 

Der Sinn bricht weg und muss sich neu ordnen

Auch die positive Psychologie beschreibt diesen Zustand nicht als Schwäche, sondern als logische Folge von tiefer Verbundenheit. Wenn etwas Sinnstiftendes wegbricht, braucht das innere Erleben Zeit, um sich neu zu ordnen. Es geht dabei nicht darum, etwas zu ersetzen,  sondern um es zu integrieren. Unser Gehirn nutzt Trauer als Signal zu Anpassung. Durch Oszillation (Hin- und Herwechseln) zwischen Schmerz und Alltag (Dual Process Model) entsteht nach und nach mehr Resilienz. 

 

Das Gefühl der Unvollständigkeit ist also kein Zeichen, dass du ohne dein Tier nicht „funktionierst“. Es zeigt, wie sehr diese Verbindung Teil von dir war und immer sein wird – wenn auch auf andere Art und Weise.

 

Fünf Wege, dich wieder vollständiger zu fühlen

 

Den inneren Platz deines Lieblings und der Trauer anerkennen

Viele versuchen, diese Lücke möglichst schnell zuzumachen. Beliebt sind dabei Ablenkung, Aktionismus und sich kopfüber in neue Aufgaben zu stürzen. Doch innere Ganzheit entsteht nicht durch Überdecken, sondern indem ich anerkenne was war, was ist und was sich verändert. Versuche immer wieder einmal wahrzunehmen, wo dein Tier in dir gelebt hat, wie sich das gezeigt hat und wie es sich jetzt zeigt. Das schafft Ordnung im Inneren.

 

Routinen sanft umformen

Dein Alltag war sehr stark mit deinem Tier verwoben. Statt alles zu meiden, was daran erinnert, darfst du kleine Rituale bewusst verändern. So kannst du etwa eure Spazierzeiten beibehalten. Als Anpassung wird dein Spaziergang wird vielleicht kürzer und / oder führt dich neben bekannten auch an unbekannte Orte. Oder seine Futterzeit wird nun deine  Schreibzeit. So bleibt der Rhythmus erhalten, und du hast sogar noch bewusste Trauerzeit in deinen neuen Alltag integriert. 

 

Den Körper wieder ins Boot holen 

„Unvollständigkeit“ ist nicht nur ein Gedanke oder Gefühl, sondern meist auch ein körperliches Erleben. Spür mal genau hin, wo in deinem Körper du dich unvollständig fühlst. Wärme (ein wohliges Bad), Bewegung (wonach immer dir gerade ist) und bewusste Berührung (Massage, Shiatsu & Co.) helfen, das innere Erleben zu regulieren. Es geht dabei nicht um Wellness, sondern darum, dich wieder auf eine positive Art und Weise zu spüren. Dein Körper weiß oft früher als dein Kopf, dass du „noch da bist“.

 

Erinnerungen aktiv gestalten 

Gerade zu Beginn der Trauer fühlen sich plötzliches Erinnerungen oft überwältigend an und sind häufig verknüpft mit den zwei so schmerzhaften Worten „nie wieder“. Doch wenn du deinen Erinnerungen bewusst Raum gibst, verändern sie ihre Qualität. Genau hier setzt mein liebevoll gestaltetes Erinnerungsbuch „Weil du in meinem Herzen weiterlebst“ an. Dieses liebevoll gestaltete Buch lädt dich ein, Erinnerungen, Gedanken, Bildern, Schnurrhaaren und Pfotenabdrücken einen Ort zu geben. Mit hilfreichen und einfühlsamen Impulsen unterstützt es dich dabei, deinen ganz persönlichen Erinnerungsschatz zu heben und so dein geliebtes Tier auf neue Weise in dein Leben mitzunehmen.

 

Zwei Leben zu einem verweben

Du spürst sicher, dass dein Leben anders ist und auch bleiben wird als es mit deinem geliebten Tier war. Das liegt auf der Hand, nicht wahr? Ganzheit entsteht auch nicht, indem man wird wie früher. Sondern indem man all das Erlebte der gemeinsamen Jahre in das neue Leben einwebt. Unsere Lieblinge haben so viele Spuren hinterlassen – und das nicht nur im Außen, auch wenn einige meiner Lachfalten auf Muckis Konto gehen. Sie haben uns oft ein besonders Werteverständnis, die eine oder andere neue Lebenseinstellung und unserem Gefühlsleben eine neue Facette geschenkt. Diese Spuren dürfen sichtbar bleiben. Mein einfühlsamer Trauerbegleiter „Weil jede Trauer Liebe ist“ unterstützt dich dabei, dein neues, glückliches Leben mit deinem Liebling im Herzen zu gestalten. Und auch in den wöchentlichen Online Trauertreffen widmen wir uns diesem neuen „zusammen“.

 

Schreibimpuls: Für immer eins 

 

⏰ Nimm dir zehn Minuten

🛋️ Mach es dir gemütlich und schau, dass du ungestört bist 

😮‍💨 Atme drei Mal tief ein und aus 

📝 Greif dann zu Stift und Papier und schreibe folgenden Satz weiter:

 

„Durch dich lebt in mir weiter …“

Denke nicht lange nach, fange einfach an zu schreiben. Notiere alles, was du durch dein Tier über dich selbst gelernt hast. Eigenschaften, Haltungen, kleine Veränderungen. Dinge, die vorher nicht da waren und die vielleicht heute noch wirken, usw.  Du wirst erstaunt sein, was da alles aufs Papier fließt.

 

Wenn du das Gefühl hast, dass für den Moment alles den Weg aufs Papier gefunden hat, lies dir das Geschriebene noch einmal durch und unterstreiche spontan jene Passagen, die dich besonders berühren. 

 

Formuliere aus ihnen dann eine Botschaft deines Lieblings an dich. Beginne mit:

„Wir sind für immer eins durch …“

 

Alles Liebe 🫶

Claudia 

 

Als ausgebildeter „Deep Journaling Instructor“ beschäftige ich mich seit Jahren mit der heilsamen Kraft des Schreibens. Wenn ich in einer schwierigen Lage bin, greife ich zu Stift und Papier und bin immer wieder begeistert, was sich durch Schreiben alles lösen lässt. Im Jänner 2023 musst ich nach über 16 Jahren meinen Seelenkater Mucki gehen lassen. Da habe ich beschlossen, aus meiner persönlichen Erfahrung des Trauerns und der heilsamen Kraft des Schreibens ein Programm zu entwickeln. Damit möchte ich Menschen in dieser Ausnahmesituation helfen, ihre Trauerreise so einzigartig und persönlich zu gestalten, wie das Leben mit ihrem Seelentier war.

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