Vor zwei Wochen genoss ich einen wunderschönen Herbsttag. Ich war in Zell am Moos – einem der mir liebsten Orte in Österreich. Das Licht war bezaubernd. Ich bin noch viermal in den erfrischenden Irrsee gesprungen, habe geschrieben und ein Seelenfutter vorbereitet. Ich hatte Zeit, war entspannt und da war dieses schöne Gefühl: Genau das habe ich gerade gebraucht.
Irgendwann auf der Heimfahrt war dann plötzlich dieser Gedanke an Mucki da. Und mit ihm kam eine Melancholie, die mich auch am nächsten Tag noch begleitet hat.
Mucki ist am 13. Jänner 2023 gestorben. Seitdem sind fast vier Jahre vergangen, mein Leben ist längst wieder ein anderes geworden und es gibt unglaublich viel Schönes darin. Natürlich denke ich jeden Tag an meinen Kater, aber an diesem Wochenende war es anders. Da war plötzlich wieder dieser ganz unmittelbare Wunsch, ihn bei mir zu haben, ihn anzufassen, ihn anzuschauen. Einfach meinen Mucki wieder da zu haben. Und ja, da waren auch Tränen.
Es war kein Trauertag. Es waren vielmehr viele einzelne Trauermomente inmitten eines Lebens, das längst wieder sehr vieles enthält, was schön ist.
Wenn die Trauer unvermutet wieder anklopft
Im Englischen gibt es dafür den Begriff „grief bursts“: Momente, in denen Trauer plötzlich wieder sehr intensiv spürbar wird, auch lange nach einem Verlust. „Trauerausbruch“ wäre die naheliegende deutsche Übersetzung, aber für mich klingt das viel zu dramatisch. Ich würde das, was ich an diesem Wochenende erlebt habe, lieber Trauermomente nennen.
Denn meine Trauer war nicht plötzlich wieder dort, wo sie Anfang 2023 war, und ich hatte auch nicht zwei Tage lang das Gefühl, von ihr überwältigt zu werden. Ich hatte einen wunderschönen Tag UND plötzlich einen Moment, in dem ich Mucki ganz furchtbar vermisst habe. Später kam noch einer und am nächsten Tag wieder einer.
Das ist ein Unterschied.
Ausgerechnet nach einem wunderschönen Tag
Natürlich habe ich mich gefragt, warum Mucki ausgerechnet an diesem Tag plötzlich wieder so schmerzhaft gefehlt hat. Vielleicht war es dieses besondere Licht, vielleicht der Herbst, vielleicht die Ruhe nach einigen ziemlich vollen Wochen oder vielleicht etwas ganz anderes. Ich weiß es schlicht nicht und dieses Mal habe ich für mich entschieden, dass ich es auch nicht sofort wissen muss.
Normalerweise beobachte ich mich in solchen Situationen ziemlich schnell selbst. Ich gehe auf die Meta-Ebene, denke darüber nach, was gerade mit mir passiert, woher ein Gefühl kommen könnte, was ich daraus mitnehmen und was ich euch mitgeben kann. Diesmal wollte ich meine Trauer aber einfach einmal stehen lassen.
Deshalb habe ich auch nicht gleich am nächsten Morgen einen Blogbeitrag daraus gemacht, obwohl ich ziemlich schnell wusste, dass ich irgendwann darüber schreiben möchte. Zuerst wollte ich einfach nur Mucki vermissen, ohne dieses Gefühl gleich zu analysieren oder etwas daraus machen zu müssen.
Ein gutes Leben UND du fehlst mir
Vielleicht war genau das an diesem Wochenende für mich wieder eine Erinnerung daran, wie wenig Trauer in eindeutige Kategorien passt. Ich hatte einen wunderbaren Tag, war glücklich und habe mein Leben genossen und trotzdem habe ich auf der Heimfahrt meinen Kater vermisst. Warum? Ganz einfach: Weil ich Mucki liebe.
Ich kann mein heutiges Leben lieben UND mir wünschen, Mucki wäre noch darin. Ich kann einen wunderschönen Herbsttag erleben UND auf der Heimfahrt Tränen in den Augen haben. Ich kann dankbar sein für alles, was inzwischen wieder entstanden ist, UND meinen Kater verdammt noch einmal vermissen.
Genau deshalb mag ich dieses kleine Wort UND in der Trauer so sehr. Es verlangt nicht von uns, dass eine Wahrheit verschwinden muss, damit die andere Platz haben kann.
Trauer hat keinen Rückwärtsgang
Wenn solche intensiven Trauermomente nach langer Zeit wieder auftauchen, kann schnell die Frage kommen: Warum jetzt wieder? Ich dachte, ich wäre schon weiter.
Aber wohin genau sollen wir eigentlich kommen?
Ich möchte nicht an einen Punkt kommen, an dem mir Mucki gleichgültig ist oder ich ihn nicht mehr vermisse, nur damit meine Trauer irgendwann als „erledigt“ gelten kann. Was sich in den vergangenen Jahren verändert hat, ist etwas anderes: Die Trauer bestimmt mein Leben nicht mehr, aber sie gehört dazu.
Manchmal ist sie leise, manchmal denke ich mit einem Lächeln an Mucki und manchmal kommen eben wieder Momente, in denen mir die Tränen kommen und ich meinen Kater schrecklich gerne noch einmal im Arm hätte. Das ist kein Rückschritt, sondern ein Teil meiner Beziehung zu einem Kater, den ich liebe und der körperlich nicht mehr bei mir ist.
Wenn du solche Trauermomente kennst und dir wünschst, mit Menschen darüber zu sprechen, die verstehen, wie sehr ein Tier auch Jahre nach seinem Tod fehlen kann: In meinen Online-Trauertreffen gibt es dafür Raum. Du kannst erzählen, zuhören, dich austauschen und mit allem da sein, was gerade da ist, ganz gleich, wie lange dein Abschied schon zurückliegt.
Nicht jedes Gefühl braucht sofort eine Erklärung
Ich finde es wichtig, neugierig auf die eigene Trauer zu bleiben, hinzuschauen, was sie mit uns macht, welche Gedanken immer wieder auftauchen und was uns hilft. Gleichzeitig glaube ich inzwischen, dass wir nicht jedes Gefühl sofort sezieren müssen.
Manchmal darf ich einfach feststellen, dass Mucki mir heute besonders fehlt, dass ich ihn wahnsinnig gerne noch einmal im Arm halten würde und dass es weh tut, dass er nicht mehr hier ist. Morgen kann sich das schon wieder ganz anders anfühlen.
Dein Schreibimpuls für heute
⏰ Nimm dir 10 Minuten Zeit
🛋️ Mach es dir gemütlich und schau, dass du ungestört bis
😮💨 Atme drei Mal tief ein und aus
📝 Greif dann zu Stift und Papier und schreibe folgende Sätze weiter:
Heute fehlst du mir besonders, weil …
Schreib einfach, ohne darüber nachzudenken, wohin der Text führen soll. Wie kurz oder lang, wie detailliert oder allgemein usw. spielt keine Rolle.
Anschließend schreibe weiter mit:
UND gleichzeitig …
Du kannst, musst aber damit nichts positiv auflösen. Vielleicht stehen am Ende einfach zwei Wahrheiten nebeneinander so, wie es in der Trauer eben oft ist.
Wenn du dir noch mehr Begleitung für deine Trauer wünschst: In meinem Buch „Weil jede Trauer Liebe ist“ findest du Gedanken, Impulse und Übungen, die dich durch unterschiedliche Momente der Trauer um dein Tier begleiten. Es unterstützt dich dabei, einen Weg mit deiner Trauer zu finden, der zu dir und zu deiner ganz besonderen Beziehung zu deinem Tier passt.
Alles Liebe 🫶
Claudia






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