Trauer um ein Tier: Die Magie der emotionalen Nähe

Am 13. Jänner war schon Muckis dritter Todestag. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht und zugleich durfte ich in diesen Tagen erfahren, wie wenig Rolle sie in Wahrheit spielt. Ich habe diese Woche in einer kleinen, einsamen Hütte hoch oben in den österreichischen Bergen verbracht. Es war wie in einer anderen Welt, nein: es WAR […]
Auf dem Bild sieht man eine von Hand gemalte Katze als Symbol für die Trauer um ein Tier und die Magie der emotionalen Nähe

Am 13. Jänner war schon Muckis dritter Todestag. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht und zugleich durfte ich in diesen Tagen erfahren, wie wenig Rolle sie in Wahrheit spielt. Ich habe diese Woche in einer kleinen, einsamen Hütte hoch oben in den österreichischen Bergen verbracht. Es war wie in einer anderen Welt, nein: es WAR eine andere Welt als ich sie kenne. Abgeschieden, weit weg von allem, was laut ist, schnell und fordernd ist und ohne jede Ablenkung. Das nächste Dorf kilometerweit entfernt und dort oben tiefster Winter wie man ihn im Tal kaum noch kennt.

Schon lange spielte ich mit dem Gedanken, mich auf ein derartiges Experiment einzulassen und Muckis dritter Todestag schien mir der perfekte Zeitpunkt dafür zu sein. Entgegen all der im Jänner oft vorherrschenden kollektiven Energie des „Ab jetzt wird alles anders“ ist für mich dieser Monat keiner der Umbrüche oder großartiger Neujahrsvorsätze. Er ist ein Monat zum Innehalten, für – von der Natur vorgelebter – Zeit für Rückzug, Langsamkeit und für das, was unter der Oberfläche liegt. Und genau das wollte ich zulassen. Nicht nur, um Mucki besonders nahe zu sein, sondern auch, um dieser merkwürdigen gesellschaftlichen Ungeduld zu Jahresanfang etwas entgegenzusetzen. Wie sehr sich das bewahrheiten würde, war mir aber selbst nicht ganz klar.

 

Wenn Zeit ihre Bedeutung verliert

Inmitten all der Berge war ich mehr auf mich zurückgeworfen als ich geglaubt hatte. Denn außer mir lebt dort oben niemand um diese Zeit. Ich war umgeben von unzähligen Gipfeln, tief verschneiten Wäldern, allen möglichen Wildtieren und einer Stille, die ich so noch nie erlebt habe. Nachts ein tausendfach funkelnder Sternenhimmel über mir, der mir ob seiner Schönheit und unendlicher Weite Tränen in die Augen steigen ließ. Wie klein wir doch in Wahrheit sind, wie nichtig die meisten unserer sogenannten Probleme und wie kurz unser Leben hier auf Erden ist, wurde mir angesichts dessen einmal mehr bewusst. Zeit spielte dort keine Rolle, sie löste sich förmlich auf. Ich hatte das Gefühl, aus der Welt und der Zeit gefallen zu sein. Das war eine der schönsten und bewegendsten Erfahrungen, die ich je machen durfte und ein Geschenk, das vieles in mir in Bewegung gebracht hat. 

Ich hab unglaublich viel geschrieben in diesen Tagen, mir in dieser Abgeschiedenheit jene Fragen gestellt die im Alltag oft untergehen, aber zu den wahrhaft wichtigen im Leben gehören. 

 

Ich bin mit Stift und Papier durch Zeiten, Gedanken und Emotionen gereist.

 

Und auch die Erinnerungen an Mucki durften so viel Raum haben wie schon lange nicht mehr. Es waren die Schmerzhaften an sein Sterben und all die schönen, die mir für immer ein warmes Lächeln schenken werden. Ich hatte an diesem Ort alle Zeit der Welt für unsere innige Herzensverbindung.

 

Die kostbarste Verbindung ist emotionale Nähe

Ich habe viel geträumt in diesen Tagen, manchmal Schönes, oft aber wirres Zeug, alte Orte, Menschen aus früheren Lebensphasen, die heute keine Rolle mehr spielen. Aber Mucki kam nicht im Traum. Das hat mich zunächst verwundert und dann erinnerte ich mich wieder daran:

Emotionale Nähe funktioniert nicht über Träume. Sie ist nicht an Bilder gebunden, nicht an Szenen oder Wiederholungen der Vergangenheit. Auch emotionale Nähe ist etwas, das aus der Zeit gefallen ist. Sie wohnt tief in unserem Herzen. Sie ist immer da, auch wenn sie sich nicht zeigt. Ich erinnerte mich daran, wie nahe ich mich auch meiner Großmutter immer noch fühle, obwohl sie bereits 1998 gestorben ist. Und ich kenne Menschen, mit denen ich bis heute immer wieder Kontakt habe, bei denen diese Nähe jedoch fehlt. Das ist keine Bewertung, es sagt nichts über den Wert dieser Menschen aus. Es beschreibt nur etwas sehr Menschliches: dass es da diese einzigartigen, kostbaren und seltenen Verbindungen zu Menschen und Tieren gibt, die uns auf besondere Weise berühren. Und diese emotionale Nähe ist nicht an die zeitgleiche Anwesenheit an einem Ort, ja in einem Universum gebunden. 

 

Diese emotionale Nähe zu Mucki habe ich dort oben wieder deutlich gespürt und gemerkt: ich darf mir ihrer sicher sein. Sie braucht keine Beweise oder Träume.

 

Die Magie der emotionalen Nähe in der Trauer um ein Tier

Verarbeitete Trauer zeigt uns oft sehr klar, was emotionale Nähe wirklich bedeutet. Sie ist nicht abhängig von körperlicher Präsenz. Sie braucht kein gemeinsames Erleben im Jetzt und sie ist etwas, das in uns weiterlebt. Genau diese Form von Nähe gibt Halt und schenkt uns Sicherheit weil niemand sie uns nehmen kann. 

 

Wenn du dein geliebtes Tier gerade erst gehen lassen musstest und deine Trauer noch ganz frisch ist, ist das wahrscheinlich im Moment noch unvorstellbar für dich. Das ist völlig normal und nichts, worüber du dir Sorgen machen musst. Du hast nichts „verpasst“ oder gar bei irgendetwas „versagt“.

 

Doch wenn du deiner Trauer jene Aufmerksamkeit schenkst die sie braucht, wirst auch du diese besondere Form der Nähe spüren – und zwar jeden einzelnen Tag. In meinem einfühlsamen Buch „Weil jede Trauer Liebe ist“ begleite ich dich dabei Schritt für Schritt. 

Unser Nervensystem speichert solche tiefen Bindungen nicht als vergangen ab, sondern als Teil von uns. Als etwas, das in uns weiter lebendig ist. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum Erinnerungen manchmal schmerzen und uns gleichzeitig so viel Glück schenken können, warum sie uns anfangs vor lauter Vermissen oft verzweifeln lassen und sie uns langfristig stärken.

In diesen Tagen in den Bergen habe ich nach Jahren auch wieder gemalt, einfach so ob des Malens Willen – und weil ich an diesem Ort ohne Zeit endlich einmal etwas tun „durfte“, das keinem Ziel oder ToDo folgt. In Wahrheit sind Ziele und ToDos oft nur Ausreden, weil wir schon so darauf konditioniert sind, dass unser ganzes Tun ihnen zu folgen hat, dass wir viel zu sehr vergessen, was uns abseits davon Erfüllung schenkt. Aber das nur so nebenbei. Ich habe auch Mucki gemalt und in seinem Bild liegt genau diese emotionale Nähe, die ich fühle. Und das unterscheidet es auf besondere Weise von den anderen Bildern. So kann emotionale Nähe doch auch im Außen sichtbar werden – muss sie aber nicht. 

Vielleicht brauchen wir solche Zeiten für uns mehr als wir glauben. Zeiten, in denen wir aus der Welt fallen dürfen. In denen wir nicht funktionieren, nicht planen, unser Leben und uns selbst nicht fortwährend optimieren oder uns von ihm ablenken, weil wir schon länger spüren, dass es nicht das Leben ist, das wir leben wollen. Denn wie sagte schon Theodor W. Adorno:

 

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ 

 

Und wenn du dich jetzt vielleicht fragst, was das mit der Trauer um dein Tier und die emotionale Nähe zu tun hat: Um diese Nähe wirklich spüren zu können, ist es wichtig, gut bei sich selbst zu sein und das klappt am besten, wenn wir die sind, als die wir gemeint sind. Wenn wir jenes Wesen sind und jenes Leben führen, das uns mitgegeben wurde als wir auf diese Welt gekommen sind. Du willst wissen, welches das ist?  Dann nimm dir die Zeit, auf deine Sehnsüchte zu hören und in deinem Tun jenem Ruf zu folgen, der dein Herz vor Glück schneller schlagen lässt. Genau darum geht´s in meinem Online Trauerprogramm „Pfotentrauerreise“ in Wahrheit um viel mehr als „nur“ die Verarbeitung deiner Trauer. 

 

Schreibimpuls: Ich denke gerade an dich … 

📝 Heute gibt es keine bestimmte Schreibzeit, sondern Stift und Papier begleiten dich den ganzen Tag. Und immer wenn du an deinen Liebling denkst, greifst du danach und schreibst folgenden Satz weiter.

„Ich denke gerade an dich und da ist …“

 

Versuche alles zu Papier zu bringen, was gerade da ist. 

💭 Gedanken

🖼️ Bilder

❤️‍🔥 Körperempfindungen

🎨 Farben

🥎 kleine Szenen

Sei ganz spontan und versuche nichts zu „zerdenken“. Es spielt auch keine Rolle ob es ein Wort ist oder hundert. 

Lies dir am Ende des Tages das Geschriebene in Ruhe durch und schau, was dir deinen Notizen sagen wollen. Was steht gerade besonders im Vordergrund, was möchte gesehen werden und worin konntest du eure emotionale Nähe spüren? Spüre genau hin, denn es sind nicht immer nur positive Gefühle, in denen diese Nähe sich zeigt. 

Alles Liebe 🫶

Claudia 

 

©️Zeichnung: Claudia Kolb

Als ausgebildeter „Deep Journaling Instructor“ beschäftige ich mich seit Jahren mit der heilsamen Kraft des Schreibens. Wenn ich in einer schwierigen Lage bin, greife ich zu Stift und Papier und bin immer wieder begeistert, was sich durch Schreiben alles lösen lässt. Im Jänner 2023 musst ich nach über 16 Jahren meinen Seelenkater Mucki gehen lassen. Da habe ich beschlossen, aus meiner persönlichen Erfahrung des Trauerns und der heilsamen Kraft des Schreibens ein Programm zu entwickeln. Damit möchte ich Menschen in dieser Ausnahmesituation helfen, ihre Trauerreise so einzigartig und persönlich zu gestalten, wie das Leben mit ihrem Seelentier war.

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