Vor kurzem bin ich über einen Satz gestolpert, der mich den ganzen Tag nicht mehr losgelassen hat. Sinngemäß ging es darin darum, dass unsere Erde über 4,5 Milliarden Jahre alt ist und wir ausgerechnet in dieser unendlich langen Zeitspanne genau zur selben Zeit gelebt haben wie unser geliebtes Tier. Und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr hat mich dieser Gedanke berührt. Denn er fasst so schön zusammen, was ich den Trauernden, die ich begleite und begleitet habe, immer mit auf den Weg gebe: die Sichtweise auf die Dinge ist der Schlüssel, um den Schmerz in eine liebevolle Verbundenheit zu verwandeln, die stärker ist als der Tod.
Wenn du die Situation nicht ändern kannst, hilft es, die Sichweise zu ändern.
Das macht die Trauer und das Vermissen per se nicht kleiner. Doch oft verändert ein einziger Gedanke den Blick auf das, was war und es unterstützt einen dabei, ein wieder schönes Leben rund um diese Trauer zu bauen. Und genau das möchte ich dir mit diesem Seelenfutter zeigen.
Wir halten die gemeinsame Zeit für selbstverständlich
Vielleicht kennst du das auch: Solange dein geliebtes Tier an deiner Seite war, hast du morgens wahrscheinlich nicht gedacht, wie unwahrscheinlich es eigentlich ist, dass genau ihr beide euch gefunden habt, oder? Du hast eher überlegt, ob noch genug Futter da ist, wann ihr zur Gassirunde aufbrecht oder ob der Tierarzttermin nächste Woche wirklich notwendig ist. Vielleicht hast du dich sogar über schmutzige Pfoten auf dem Boden oder Katzenhaare auf dem Sofa geärgert. Das ist menschlich und völlig normal.
Das Alltägliche gibt uns das Gefühl, dass das Leben morgen genauso weitergeht wie heute. Deshalb planen wir ganz selbstverständlich den nächsten Sommerurlaub, den nächsten Geburtstag oder Weihnachten, immer mit unserem Seelentier an unserer Seite. Erst wenn diese Zukunft plötzlich nicht mehr da ist, merken wir, wie selbstverständlich sie sich angefühlt hat.
Wir halten so vieles für selbstverständlich bis wir erkennen, dass es ein Geschenk war.
Der Schmerz gilt oft nicht nur der Vergangenheit
In den vergangenen Wochen habe ich viel über diesen Gedanken nachgedacht. Vielleicht auch deshalb, weil ich selbst einmal ganz selbstverständlich davon ausgegangen bin, dass Mucki 20 Jahre alt wird. Wenn mich jemand gefragt hat, wie alt mein Kater einmal werden würde, habe ich nie gesagt: „Ich hoffe, er wird 20.“ Ich habe gesagt: „Er wird 20.“ Das war kein Wunsch, es war mein Plan. Erst als Mucki gestorben war, wurde mir bewusst, wie selbstverständlich sich eine gemeinsame Zukunft anfühlen kann.
Vielleicht kennst auch du genau dieses Gefühl. Du dachtest, nächstes Jahr sitzt dein Hund wieder mit dir auf der Terrasse oder deine Katze wird wieder unter der Decke schlafen. Ihr werdet wieder gemeinsam in den Urlaub fahren oder den ersten Schnee erleben. Und plötzlich gibt es all diese gemeinsamen Zukunftsbilder nicht mehr. Darüber habe ich erst vor Kurzem in meinem Seelenfutter „Wenn die gemeinsame Zukunft plötzlich fehlt“ geschrieben. Dass wir nicht nur um das trauern, was war, sondern auch um all das, was nie mehr sein wird, denn auch das tut weh.
Und doch gibt es da noch eine zweite Sichtweise auf die Dinge.
Das Wunder: Wie unwahrscheinlich war es eigentlich, dass ihr euch begegnet seid?
Trotz der Milliarden Menschen, die auf dieser Erde leben, der unzähligen Tieren und all der Möglichkeiten, wie dein Leben hätte verlaufen können, habt ausgerechnet ihr beide euch gefunden. Wie viele kleine und dabei so bedeutungsvolle Zufälle mussten eigentlich zusammenkommen, damit ihr euch begegnet seid? Und nicht nur das: Wie unwahrscheinlich ist es, dass ihr euch genau in diesem kleinen Zeitfenster eures Lebens gefunden habt?
Vielleicht wart ihr zwölf Jahre zusammen, vielleicht sechzehn, vielleicht nur drei.Gemessen an der Geschichte dieser Erde ist das nur ein Wimpernschlag. Und trotzdem hast du mit deinem Liebling in genau dieser kurzen Zeit Erinnerungen geschaffen, die dich dein ganzes Leben begleiten werden.
Ich habe gelernt: Wenn ich diesen Gedanken zulasse, vermag das mit der Zeit meinen Schmerz zu verändern. Wenn ich sehe, dass ich der Mensch sein durfte, der meinem Liebling begegnet ist, sehe ich ein so unglaublich großes Geschenk. Und es erinnert mich daran, dass unsere gemeinsame Zeit nie selbstverständlich war, sie war vielmehr ein Wunder.
„Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres.“
Albert Einstein
Trauer und Dankbarkeit schließen einander nicht aus
Bitte versteh mich nicht falsch. Ich möchte dir mit diesen Zeilen nicht sagen, dass du sofort und ausschließlich dankbar sein sollst. Das wäre dem Schmerz, dem Vermissen und so vielem mehr gegenüber nicht fair. Trauer braucht Raum und will gesehen werden. Sie darf wehtun und Tränen mit sich bringen. Sie darf auch die Frage stellen, warum die gemeinsame Zeit nicht länger sein durfte und warum manches so anders gelaufen ist als man es sich gewünscht hatte. Und gleichzeitig dürfen wir irgendwann beginnen, neben dieser Frage eben noch diese zweite zu stellen.
„Wie groß war eigentlich das Geschenk, dass wir uns überhaupt begegnet sind?“
Ich finde dieses kleine Wort UND dabei unglaublich wichtig. Alle, die schon einmal bei einem Online-Trauertreffen mit dabei waren wissen, dass „UND“ mein absolutes Lieblingswort ist. Auch die Forschung zeigt seit vielen Jahren, dass Dankbarkeit belastende Gefühle nicht verdrängt, sondern neben ihnen bestehen kann.
Ich vermisse mein geliebtes Tier UND ich bin dankbar für die gemeinsame Zeit.
So viele Jahre hätte ich mir noch gewünscht UND niemand kann mir jemals die Zeit nehmen, die wir hatten.
Ich spüre den Schmerz UND ich sehe, was für ein Geschenk jede einzelne Minute mit meinem Liebling war.
Trauer und Dankbarkeit müssen keine Gegensätze sein. Sie dürfen nebeneinander sitzen, genau wie Schmerz und Liebe. Vielleicht ist das einer der wichtigsten Schritte auf deinem Trauerweg.
Eure Zeit war nie selbstverständlich und sie bleibt dir für immer
Wahrscheinlich werden wir nie verstehen, warum alles so gekommen ist. Du wirst dir immer wünschen, noch einen Sommer, noch einen Spaziergang oder noch einen Geburtstag miteinander erlebt zu haben. Aber vielleicht hilft auch dir irgendwann der Gedanke, dass du dieses große Geschenk überhaupt erleben durftest. Und eure Geschichte endet nicht mit dem letzten Atemzug. Sie lebt in jeder einzelnen Erinnerung weiter – in jedem Foto, jedem Lächeln und auch in jeder Träne.
Mein liebevoll gestaltetes Erinnerungsbuch „Weil du in meinem Herzen weiterlebst“ bietet dir Raum für all die wunderbaren Erinnerungen an die gemeinsame Zeit. Ob Gedanken, Gefühle, Schnurrhaare, Pfotenabdrücke oder eine Franse der Lieblingsdecke – all das findet auf den liebevoll gestalteten Seiten Platz.
Schreibimpuls: Das Wunder unserer Begegnung
⏰ Nimm dir 15 Minuten Zeit
🛋️ Mach es dir gemütlich und schau, dass du ungestört bist.
😮💨 Atme drei Mal tief ein und aus
📝 Greif dann zu Stift und Papier und beginne mit diesem Satz zu schreiben:
„Es war ein Wunder, dass wir beide uns begegnet sind, weil …“
Schreibe anschließend einfach los, es gibt kein richtig oder falsch. Du kannst dich an folgenden Fragen orientieren oder einfach irgendwo anfangen.
🍀 Welche Zufälle mussten passieren, damit dein Seelentier in dein Leben kam?
🌟 Was für Erinnerungen gäbe es heute nicht, wenn ihr euch nie begegnet wärt?
🐾 Welche Spuren hat dein Tier in deinem Leben hinterlassen, die für immer bleiben werden?
Lies dir dann alles noch einmal durch und beende deinen Text mit einem Satz:
„Das größte Geschenk unserer gemeinsamen Zeit war …“
Vielleicht magst du diesen Satz dann auch auf ein neues Blatt schreiben und es an den Erinnerungsplatz deines Lieblings legen.
Alles Liebe 🫶
Claudia






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